Wie Trockentrenntoiletten gefertigt und vertrieben werden
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Trockentrenntoiletten haben sich aus einer Nische heraus zu einem eigenen Produktsegment entwickelt. Hersteller fertigen heute in Serie, der Vertrieb läuft überwiegend direkt, und die Kundschaft reicht vom Ausbauer eines Kastenwagens bis zum Betreiber einer Anlage ohne Kanalanschluss. Für Betriebe ist das weniger eine Produktfrage als eine Frage nach Material, Fertigung und Lieferweg.
Wie funktioniert eine Trockentrenntoilette?
Eine Trockentrenntoilette trennt Urin und Feststoffe bereits in der Sitzschale und führt beide getrennt in eigene Behälter. Wasser wird nicht verwendet, ein Anschluss an Zu- oder Ablauf entfällt, und die Geruchsbildung bleibt aus, weil Geruch erst entsteht, wenn beide Fraktionen zusammentreffen.
Die Bauteile sind überschaubar. Ein Trenneinsatz leitet den Urin nach vorn in einen Kanister, der Feststoffbehälter sitzt darunter und wird mit einem Beutel oder einer Einstreu ausgelegt. Eingestreut wird mit saugfähigem Material, das Restfeuchte bindet, etwa Holzfaser, Rindenmulch oder Streu auf Hanfbasis.
Technisch ist das Verfahren damit einfacher als jede Wasserspülung, was den Produktionsaufwand verschiebt: Die Wertschöpfung liegt in Material, Dichtigkeit und Verarbeitung, nicht in der Mechanik.
Welche Bauformen werden am Markt gefertigt?
Gefertigt werden im Wesentlichen vier Bauformen: der Komplettkorpus aus Holzwerkstoff, die Kunststoffkonstruktion aus Formteilen, der reine Trenneinsatz zum Selbstbau und die Edelstahlausführung für den gewerblichen Dauerbetrieb.
Der Holzkorpus dominiert im Konsumentenmarkt, weil er sich in Kleinserie wirtschaftlich fertigen lässt und optisch zur Einrichtung passt. Kunststoffkonstruktionen erfordern Werkzeugkosten im Vorfeld und rechnen sich erst ab größeren Stückzahlen, dafür sind sie leichter und besser zu reinigen. Der einzelne Trenneinsatz wird an Selbstbauer und an Fahrzeugausbauer geliefert, die einen eigenen Korpus bauen.
Die Edelstahlausführung spielt im Gewerbe eine eigene Rolle, etwa auf Baustellen, in Veranstaltungsstätten und in Außenanlagen. Dort zählen Reinigbarkeit und Beständigkeit gegen Reinigungsmittel mehr als das Gewicht.
Welche Bauform ein Hersteller abdeckt, hängt daran, welche Fertigung er im Haus hat.
Welche Anforderungen stellt die Fertigung an Material und Verarbeitung?
Die Fertigung stellt drei Anforderungen: Feuchtebeständigkeit der Oberflächen, Dichtheit an jeder Fuge und eine Konstruktion, die sich ohne Werkzeug zerlegen lässt. Alle drei entscheiden darüber, wie lange ein Produkt im Gebrauch hält.
Bei Holzwerkstoffen bestimmt die Beschichtung die Lebensdauer. Unbehandelte Kanten saugen Feuchte, quellen auf und lösen sich im Verbund, weshalb Kantenanleimer und beschichtete Schnittflächen bei diesem Produkt keine Optik, sondern Funktion sind. Bei Kunststoffteilen entscheidet die Materialwahl über Spannungsrisse, die unter Reinigungsmitteln entstehen.
Die Zerlegbarkeit ist das Merkmal, das im Datenblatt selten auftaucht und im Alltag am meisten wiegt. Behälter werden täglich entnommen, der Trenneinsatz regelmäßig gereinigt, und jede Verbindung, die dafür ein Werkzeug braucht, wird früher oder später nicht mehr gelöst.
Daraus ergibt sich auch, worauf der Handel bei der Auswahl achtet.
Über welche Wege werden Trockentrenntoiletten vertrieben?
Vertrieben wird überwiegend direkt über eigene Onlineshops der Hersteller, daneben über Fachhandel für Fahrzeugausbau, über Baumärkte im unteren Preissegment und über Ausstatter im Veranstaltungsbereich.
Der Direktvertrieb hat sich durchgesetzt, weil das Produkt erklärungsbedürftig ist und die Marge im Handel die Beratung nicht trägt. Hersteller investieren deshalb in Produktbeschreibungen, Anleitungen und Zubehör, und die Zubehörkette aus Einstreu, Beuteln und Ersatzkanistern trägt einen erkennbaren Teil des Umsatzes.
Für Betriebe, die Geräte beschaffen, bedeutet das zwei Dinge. Erstens ist die Verfügbarkeit von Verbrauchsmaterial Teil der Kaufentscheidung, nicht Nebensache. Zweitens unterscheidet sich das Angebot je Einsatzzweck deutlich, wie das Sortiment zeigt, das sich etwa bei BioTioo kaufen lässt und vom Einsatz im Fahrzeug bis zur ortsfesten Anlage reicht.
Wo die Geräte eingesetzt werden, entscheidet schließlich auch darüber, welche Vorschriften greifen.
Welche rechtlichen Fragen stellen sich beim Einsatz im Gewerbe?
Im Gewerbe stellen sich zwei Fragen: die nach der Entsorgung und die nach den Anforderungen an Sanitärräume. Beide sind unabhängig vom Produkt geregelt.
Die Entsorgung richtet sich nach dem Abfall- und Abwasserrecht der Länder und Kommunen. Feststoffe aus Trockentoiletten gelten im gewerblichen Einsatz in der Regel nicht als Haushaltsabfall, und eine Kompostierung auf dem Betriebsgelände ist nicht überall zulässig. Vor der Beschaffung ist deshalb die Entsorgung zu klären, nicht danach.
Für Sanitärräume gelten die Arbeitsstättenverordnung und die zugehörigen Technischen Regeln, die Zahl, Ausstattung und Erreichbarkeit von Toiletten für Beschäftigte regeln. Eine Trockentrenntoilette kann diese Anforderungen erfüllen, ersetzt aber keine Prüfung des Einzelfalls, insbesondere bei dauerhaft genutzten Arbeitsstätten.
Damit bleibt die Frage, für welche Betriebe sich die Technik überhaupt eignet.
Für welche Betriebe eignet sich eine Trockentrenntoilette?
Geeignet ist die Technik dort, wo kein Kanalanschluss besteht oder ein Anschluss unverhältnismäßig teuer wäre. Typisch sind Außenstellen, Lagerplätze, Vereins- und Veranstaltungsflächen, Baustelleneinrichtungen und Gebäude in Wasserschutzgebieten.
Ein zweiter Fall sind Betriebe mit schwankender Nutzung. Eine wasserlose Toilette steht monatelang ungenutzt, ohne dass eine Leitung einfriert oder ein Siphon austrocknet, was bei Saisonbetrieben den Unterhalt spürbar senkt.
Nicht geeignet ist die Technik bei hoher Frequenz an einem Standort. Je mehr Personen eine Anlage nutzen, desto häufiger muss entleert werden, und ab einer bestimmten Nutzungszahl übersteigt der Personalaufwand den Vorteil des fehlenden Anschlusses.
Wann lohnt sich die Anschaffung gegenüber einem Wasseranschluss?
Die Anschaffung lohnt sich, sobald die Kosten für Leitungsbau, Grabenarbeiten und Anschlussgebühren den Preis mehrerer Geräte übersteigen, und das ist bei abgelegenen Standorten regelmäßig der Fall. Entscheidend ist nicht der Gerätepreis, sondern die Differenz zur Erschließung.
Gegenzurechnen sind drei laufende Posten: Einstreu und Beutel, der Zeitaufwand fürs Entleeren und die Entsorgung. Diese Posten fallen dauerhaft an, während die Erschließung einmalig ist, weshalb sich die Rechnung über die Nutzungsdauer dreht.
Für Betriebe mit mehreren Standorten ergibt sich daraus eine gemischte Lösung. Dauerhaft genutzte Hauptstandorte bleiben am Kanal, Außenstellen und Saisonflächen werden wasserlos ausgestattet, und die Beschaffung richtet sich nach dem Standort statt nach einer einheitlichen Vorgabe für das ganze Unternehmen.


