Was Pollenschutzgitter im Betrieb tatsächlich leisten
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Pollenschutzgitter sitzen dort, wo ein Betrieb seine Fenster weiter öffnen will, ohne die Belastung der Beschäftigten im Frühjahr und Sommer zu erhöhen. Sie unterscheiden sich von einem Insektenschutzgitter nicht in der Bauform, sondern im Gewebe, und genau daran hängen ihre Wirkung und ihre Nachteile. Beide gehören in dieselbe Betrachtung, weil das eine ohne das andere nicht zu haben ist.
Was unterscheidet ein Pollenschutzgitter von einem Insektenschutz?
Ein Pollenschutzgitter trägt ein deutlich feineres Gewebe als ein Insektenschutzgitter und hält damit nicht nur Insekten, sondern einen Teil der Pollenkörner zurück. Rahmen, Spannsystem und Montage sind in der Regel identisch, ausgetauscht wird allein das Gewebe.
Der Größenunterschied erklärt die Trennwirkung. Nach den Angaben der botanischen Fachliteratur liegen Pollenkörner je nach Pflanzenart etwa zwischen 10 und 100 Mikrometern, Gräser- und Birkenpollen im unteren Bereich dieser Spanne. Ein Insektenschutzgewebe mit weiter Maschenweite lässt sie ungehindert passieren, ein Pollenschutzgewebe mit Maschen im Zehntelmillimeterbereich hält einen Teil davon zurück.
Daraus folgt eine Abgrenzung nach oben. Ein Pollenschutzgitter ist kein Feinstaubfilter. Es wirkt gegen Partikel in der Größe von Pollenkörnern, nicht gegen die Fraktionen, die eine Lüftungsanlage über ihre Filterstufen abdeckt.
Wie weit die Wirkung reicht, entscheidet die Bauart des Gewebes.
Welche Gewebearten kommen bei Pollenschutzgittern zum Einsatz?
Zum Einsatz kommen im Wesentlichen zwei Bauarten: ein engmaschiges Gewebe aus Kunststoffmonofilament und ein mehrlagiges Vliesgewebe, bei dem eine feine Trägerlage die Trennwirkung übernimmt. Die erste Bauart arbeitet über die Maschenweite, die zweite zusätzlich über die Faserstruktur.
Das Monofilamentgewebe ist formstabil, mechanisch belastbar und lässt sich mehrfach reinigen. Es wird aus Polyester oder Fiberglas mit Kunststoffmantel gefertigt und in Spannrahmen, Rollos und Plissees verbaut. Seine Grenze liegt in der Maschenweite, die sich nicht beliebig verringern lässt, ohne die Luftdurchlässigkeit zusammenbrechen zu lassen.
Das Vliesgewebe erreicht eine höhere Trennwirkung bei gleicher sichtbarer Dichte, weil die Fasern ungeordnet liegen und ein Partikel mehrere Lagen durchqueren muss. Es ist dafür weicher, empfindlicher gegen mechanische Belastung und in der Reinigung eingeschränkt. In Betrieben wird es deshalb eher an Fenstern verbaut, die selten bewegt werden.
Hinzu kommt der Werkstoff des Rahmens. Aluminium mit gespanntem Gewebe hält im gewerblichen Einsatz länger als ein Kunststoffrahmen, und bei Fenstern, die täglich geöffnet werden, entscheidet das Spannsystem über die Standzeit stärker als das Gewebe selbst.
Was ein feineres Gewebe kostet, zeigt sich an der Luftmenge.
Wie stark senkt ein Pollenschutzgewebe die Luftdurchlässigkeit?
Ein Pollenschutzgewebe senkt die Luftdurchlässigkeit des Fensters merklich, und zwar um ein Vielfaches dessen, was ein Insektenschutzgitter verursacht. Der Zusammenhang ist physikalisch zwingend: Je feiner die Maschen, desto höher der Widerstand gegen den durchströmenden Luftvolumenstrom.
Herstellerangaben zur Rückhaltewirkung sind deshalb nur gemeinsam mit der angegebenen Luftdurchlässigkeit zu lesen. Beide Werte hängen am selben Gewebe und lassen sich nicht unabhängig voneinander verbessern. Belastbar ist eine Angabe erst, wenn sie das Prüfverfahren und die Anströmgeschwindigkeit nennt, unter denen sie gemessen wurde, weil ein Rückhaltewert ohne diese Angaben nicht vergleichbar ist.
Für die Praxis im Betrieb bedeutet das längere Lüftungszeiten bei Fensterlüftung. Ein Raum, der zuvor in wenigen Minuten durchlüftet war, braucht mit Pollenschutzgewebe länger, und bei beidseitig geschlossenen Fensterflügeln verschiebt sich der Luftwechsel erheblich. Räume mit hoher Belegung erreichen damit die gewohnte Luftqualität nicht mehr allein über das Fenster.
Daraus ergibt sich eine Abhängigkeit von der Art der Lüftung.
Wo lassen sich Pollenschutzgitter in Betrieben sinnvoll einsetzen?
Sinnvoll einsetzbar sind Pollenschutzgitter an Fenstern, die tatsächlich zur Lüftung geöffnet werden und deren Raum keine mechanische Lüftung hat. In Gebäuden mit raumlufttechnischer Anlage übernimmt die Filterstufe der Zuluft diese Aufgabe, und das Gitter am Fenster bleibt ohne Funktion.
In Verwaltungsgebäuden betrifft das vor allem Einzel- und Doppelbüros im Altbestand, Besprechungsräume ohne Zuluftanschluss und Aufenthaltsräume. In Betrieben kommen Sozialräume, Pausenräume und Büroflächen in Produktionsgebäuden hinzu, nicht aber die Fertigungshalle selbst, weil dort die Belastung aus dem eigenen Prozess stammt und über die Erfassung an der Maschine gelöst wird.
Eine eigene Lage bilden Räume mit Publikumsverkehr und Räume mit erhöhter Anforderung an die Luftqualität. Dort ist die Fensterlüftung ohnehin nicht die tragende Maßnahme, weshalb die Entscheidung über die Filterklasse der Anlage fällt und nicht über das Gewebe am Fenster. Welche Trennleistung eine solche Stufe nachweisen muss, bemisst sich an den Klassen für Schwebstofffilter und am geforderten Nachweis.
Hinzu kommt ein arbeitsrechtlicher Bezug, der in der Beschaffung oft fehlt. Wo ein Beschäftigter eine ärztlich festgestellte Pollenallergie geltend macht, gehört die Prüfung einer solchen Maßnahme in die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes, nicht in die Hausverwaltung.
Was ein Gitter über Jahre leistet, hängt an seiner Pflege.
Wie werden Pollenschutzgitter gereinigt und instand gehalten?
Gereinigt werden Pollenschutzgitter durch Absaugen der trockenen Fläche und, je nach Gewebe, durch Abspülen mit klarem Wasser. Abgelagerte Pollen und Staub setzen die Maschen zu, und ein zugesetztes Gewebe verliert Luftdurchlässigkeit, ohne mehr zurückzuhalten.
Der Takt richtet sich nach der Lage des Fensters und der Vegetation davor. Fenster an Straßen mit Baumbestand und Fenster auf der Wetterseite setzen schneller zu als Fenster im Innenhof. Als Anlass für die Reinigung taugt der sichtbare Belag besser als ein Kalendereintrag, weil der Eintrag an Fenstern ohne Belastung Arbeit erzeugt und an belasteten Fenstern zu spät kommt.
Beim Vliesgewebe ist die Reinigung eingeschränkt. Mechanisches Bürsten verschiebt die Faserlagen und verändert die Trennwirkung, weshalb Hersteller dort meist nur Absaugen zulassen und das Gewebe nach einer festgelegten Standzeit zum Austausch vorsehen. Das verschiebt die Kosten von der Reinigung zum Ersatzteil.
Die Instandhaltung betrifft daneben die Mechanik. Spannrahmen, Führungsschienen und Bürstendichtungen verschleißen durch das Öffnen und Schließen, und ein Rahmen, der nicht mehr dicht am Blendrahmen sitzt, lässt die Pollen am Gewebe vorbei. Der Nachweis der Wirkung liegt damit nicht am Gewebe allein, sondern an der Dichtlinie.
Woran sich ein tragfähiges Produkt erkennen lässt, folgt aus diesen Punkten.
Woran erkennt ein Betrieb ein tragfähiges Pollenschutzgewebe?
Erkennbar ist ein tragfähiges Gewebe an einer Angabe, die Rückhaltewert, Luftdurchlässigkeit und Prüfverfahren gemeinsam nennt. Fehlt eines der drei, lässt sich die Wirkung nicht einordnen, weil ein hoher Rückhaltewert bei stark gesenkter Luftmenge keine Leistung beschreibt, sondern eine Einschränkung.
Belastbar sind daneben mehrere Merkmale am fertigen Element. Erstens eine umlaufende Dichtung zwischen Rahmen und Blendrahmen, weil die Nebenluft sonst die Trennwirkung aushebelt. Zweitens ein Gewebe, dessen Reinigungsvorschrift zur Nutzung des Fensters passt, also abwaschbar an täglich bewegten Fenstern. Drittens eine Aussage zur Nachlieferbarkeit des Gewebes, weil der Rahmen länger hält als die Lage, die gespannt ist.
Die Montageform gehört in dieselbe Bewertung. Spannrahmen sitzen fest und dichten am besten, lassen sich aber nur saisonal entnehmen. Plissees und Rollos bleiben ganzjährig montiert und sind bequemer, dichten an den Führungen jedoch schwächer. Für Fenster in Verwaltungsgebäuden, die im Winter ohne Gitter genutzt werden sollen, ist der Spannrahmen die Bauform mit der geringeren Dauerlast.
Vergleichbar wird das Ganze erst, wenn der Betrieb seinen eigenen Fall einordnet.
Wann lohnt sich ein Pollenschutzgitter im gewerblichen Gebäude?
Ein Pollenschutzgitter lohnt sich, sobald ein Raum über das Fenster gelüftet wird, Beschäftigte dort dauerhaft arbeiten und eine Pollenbelastung belegt ist. Fehlt eine dieser drei Bedingungen, trägt die Maßnahme nicht, weil die Einschränkung der Luftdurchlässigkeit dann ohne Gegenwert bleibt.
Dafür sprechen zusätzlich mehrere Lagen im Gebäudebestand. Ein Altbau ohne raumlufttechnische Anlage, in dem die Fensterlüftung die einzige Möglichkeit ist. Eine Lage mit starkem Baum- oder Gräserbestand unmittelbar vor der Fassade. Und ein Gebäudeteil, in dem die Nachrüstung einer Lüftungsanlage an der Bausubstanz scheitert und als Gewerk in der Größenordnung eines Umbaus liegt, wie er bei anderen gebäudetechnischen Einbauten anfällt und sich im Zuschnitt dem Saunabau als Gewerk vergleichen lässt.
Gegen den Einbau spricht, wenn der Raum eine mechanische Lüftung mit Filterstufe hat oder wenn die Fenster ohnehin geschlossen bleiben. In diesem Fall liegt der Hebel bei der Filterklasse der Anlage und bei deren Wartungsintervall, nicht am Fenster, und ein Gitter erzeugt dort allein Reinigungsaufwand.


