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Krankenhausseelsorge: Aufgaben, Zugang und rechtliche Grundlagen im Klinikalltag

7 Minuten Lesedauer

Stiller Andachtsraum eines Krankenhauses mit Holzbänken und Kerzenständer, Ort der Krankenhausseelsorge
Andachtsraum einer Klinik, einer der festen Orte der Krankenhausseelsorge

Krankenhausseelsorge begleitet Menschen im Krankenhaus in Situationen, die sich medizinisch nicht lösen lassen: Diagnose, Warten, Abschied. Die Klinikseelsorge, rechtlich als Anstaltsseelsorge geführt, richtet sich an Patientinnen und Patienten, an Angehörige und an Mitarbeitende der Stationen.

Allein in der Evangelischen Kirche von Westfalen arbeiten rund 130 Frauen und Männer in diesem Dienst. Neben dem Einzelgespräch gehören Gottesdienste, Rituale und die Mitarbeit in klinischen Ethikkomitees dazu, international unter dem Begriff Spiritual Care geführt.

Was ist Krankenhausseelsorge?

Krankenhausseelsorge bezeichnet die religiös verankerte Begleitung von Patientinnen, Angehörigen und Mitarbeitenden in Kliniken durch beauftragte Seelsorgerinnen und Seelsorger. Sie arbeitet im Krankenhaus, gehört aber zur Kirche und nicht zur medizinischen Behandlung. Grundlage ist das Gespräch, nicht die Therapie.

Seelsorgende sind in der Regel Pfarrerinnen, Pfarrer, Diakoninnen, Gemeindereferentinnen oder Pastoralreferenten mit einer Zusatzqualifikation. Ihr Dienst steht neben Medizin, Pflege, Physiotherapie und Sozialdienst, folgt aber keinem Behandlungsziel.

Für wen ist die Krankenhausseelsorge da?

Das Angebot richtet sich an drei Gruppen: an Patientinnen und Patienten, an deren Angehörige und an die Mitarbeitenden des Hauses. Pflegekräfte und Ärztinnen nutzen die Klinikseelsorge für Gespräche nach belastenden Diensten, etwa nach Reanimationen oder dem Tod eines Kindes.

Ist Krankenhausseelsorge nur für Christen?

Krankenhausseelsorge steht allen Menschen im Haus offen, unabhängig von Konfession, Religion und Kirchenmitgliedschaft. Ein Austritt aus der Kirche schließt niemanden aus, eine religiöse Sprache muss niemand mitbringen. Für muslimische oder jüdische Patientinnen und Patienten vermitteln viele Teams Ansprechpersonen der jeweiligen Gemeinde.

Wer das Angebot nutzen darf, ist damit weit gefasst, und ebenso breit ist das, was Seelsorgende im Haus tatsächlich tun.

Welche Aufgaben hat die Krankenhausseelsorge?

Die Krankenhausseelsorge führt Einzelgespräche am Bett, begleitet Sterbende und Trauernde, feiert Gottesdienste und Andachten, spendet auf Wunsch Sakramente und wirkt in Ethikkomitees mit. Hinzu kommen Besuchsdienste, Fortbildungen für Stationsteams und die Begleitung nach belastenden Ereignissen.

Das Gespräch bleibt der Kern. Zuhören ohne Zeitdruck unterscheidet den Besuch der Seelsorge von der Visite, weil kein Befund am Ende stehen muss und Ängste, Schuldgefühle oder Zweifel nicht eingeordnet werden müssen.

Welche Rituale bietet die Krankenhausseelsorge an?

Rituale geben Übergängen eine Form, wenn Worte fehlen. Das Angebot umfasst in den meisten Häusern sechs wiederkehrende Formen, die je nach Konfession unterschiedlich benannt werden:

  • Gebet und Segen: am Krankenbett, vor einer Operation oder nach einer Diagnose.
  • Abendmahl und Krankenkommunion: Feier im Patientenzimmer, auf Wunsch mit Angehörigen.
  • Krankensalbung: katholisches Sakrament, gespendet von einem Priester, nicht auf die Sterbestunde beschränkt.
  • Nottaufe: Taufe eines Neugeborenen in kritischem Zustand, jederzeit möglich.
  • Aussegnung: Gebet und Abschied am Verstorbenen, auch Stunden nach dem Tod.
  • Gottesdienste und Andachten: in Kapelle oder Andachtsraum, häufig per Hausfunk oder Monitor auf die Zimmer übertragen.

Wie wirkt die Krankenhausseelsorge bei ethischen Entscheidungen mit?

Seelsorgende sitzen in vielen Kliniken im Klinischen Ethikkomitee und moderieren ethische Fallbesprechungen. Verhandelt werden dort Therapiezieländerungen, der Umgang mit Patientenverfügungen und Entscheidungen am Lebensende.

Die Seelsorge bringt dabei die Perspektive der Patientin ein, ohne Teil der Behandlungshierarchie zu sein. Eine Entscheidungsbefugnis hat sie nicht, Stimmrecht im Komitee dagegen häufig.

So breit das Aufgabenfeld ist, so wenig bekannt ist vielen Patientinnen der Weg zum Kontakt, und der ist in jedem Haus anders geregelt.

Wie finde ich die Krankenhausseelsorge in meiner Klinik?

Den Kontakt zur Krankenhausseelsorge vermittelt die Pflege auf der Station, meist innerhalb eines Tages. Daneben liegen in vielen Häusern Karten mit Telefonnummern im Zimmer aus, und die Klinikwebsite nennt Namen und Erreichbarkeit des Teams.

Vier Wege führen in den meisten Kliniken zum Seelsorgeteam, und keiner davon setzt eine Begründung oder einen ärztlichen Auftrag voraus:

  • Pflegekraft ansprechen: die Station leitet den Wunsch an die Seelsorge weiter.
  • Direkter Anruf: die Durchwahl steht am Informationstresen und im Aufnahmebogen.
  • Andachtsraum: Aushänge dort nennen Sprechzeiten und Gottesdiensttermine.
  • Rufbereitschaft: größere Häuser halten nachts und am Wochenende eine Bereitschaft über die Pforte vor.

Bei Häusern in kirchlicher Trägerschaft ist das Seelsorgeteam fest in die Organisation eingebunden: Für das Diak Klinikum in Schwäbisch Hall stehen Zuständigkeiten und Erreichbarkeit des Dienstes auf diak-klinikum.de, gemeinsam mit den übrigen Begleitangeboten des diakonischen Trägers. Wie kirchliche Träger insgesamt im Sozialwesen verankert sind, zeigt der Blick auf die Struktur der Wohlfahrtsverbände.

Der Zugang ist niedrigschwellig, und eine Rechnung folgt darauf in keinem Fall, was an der Finanzierung des Dienstes liegt.

Was kostet Krankenhausseelsorge?

Krankenhausseelsorge ist für Patientinnen, Patienten und Angehörige kostenfrei. Abgerechnet wird nichts, weder über die Krankenkasse noch privat. Die Stellen finanzieren in der Regel die Landeskirchen und Bistümer aus Kirchensteuermitteln, in kirchlichen Häusern teilweise auch der Träger selbst.

Aus der Finanzierung folgt die Unabhängigkeit des Dienstes. Seelsorgende sind kirchlich beauftragt und damit nicht weisungsgebunden gegenüber der Klinikleitung, auch wenn sie im Haus arbeiten.

Dass eine Berufsgruppe ohne Leistungsabrechnung in der Klinik tätig ist, setzt eine eigene fachliche Qualifikation voraus.

Welche Ausbildung brauchen Krankenhausseelsorgerinnen und Krankenhausseelsorger?

Krankenhausseelsorgerinnen und Krankenhausseelsorger benötigen eine theologische Grundausbildung und eine seelsorgliche Zusatzqualifikation. Üblich sind ein abgeschlossenes Theologiestudium mit Vikariat oder eine Ausbildung als Diakonin, Gemeinde- oder Pastoralreferentin, ergänzt um die Klinische Seelsorgeausbildung.

Die Beauftragung erteilt die Landeskirche oder das Bistum, nicht das Krankenhaus. Fortbildungen zu Palliativversorgung, Trauerbegleitung, Intensivmedizin und Gesprächsführung gehören zum Dienst, und die Fähigkeit, eigene Gefühle und die des Gegenübers zu unterscheiden, zählt zu den tragenden Anforderungen, wie sie auch die Forschung zur emotionalen Intelligenz beschreibt.

Was ist die Klinische Seelsorgeausbildung (KSA)?

Die Klinische Seelsorgeausbildung, abgekürzt KSA und nach dem englischen Clinical Pastoral Education benannt, ist ein praxisbegleitendes Kursformat in einer Klinik. Teilnehmende besuchen Patientinnen, protokollieren Gespräche und besprechen diese in der Gruppe unter Supervision.

Ein Grundkurs läuft je nach Anbieter mehrere Wochen in Vollzeit oder berufsbegleitend über ein Jahr. Standards und Anerkennung regelt in Deutschland die Deutsche Gesellschaft für Pastoralpsychologie, die Kurse werden von kirchlichen Seelsorgeinstituten angeboten.

Beauftragt wird dieser Dienst von der Kirche, zugelassen wird er im Krankenhaus durch eine Garantie, die älter ist als jede Klinikordnung.

Welche rechtliche Grundlage hat die Krankenhausseelsorge in Deutschland?

Die Krankenhausseelsorge stützt sich auf Artikel 140 des Grundgesetzes in Verbindung mit Artikel 141 der Weimarer Reichsverfassung. Danach ist Religionsgesellschaften die Vornahme religiöser Handlungen in Krankenhäusern und anderen Anstalten zu gestatten, soweit dort ein Bedürfnis nach Gottesdienst und Seelsorge besteht.

Die Anstaltsseelsorge ist damit kein freiwilliges Zusatzangebot des Trägers, sondern ein verfassungsrechtlich abgesicherter Zugang. Konkretisiert wird er in Staatskirchenverträgen der Länder und in Vereinbarungen zwischen Kirchen und Klinikträgern.

Unterliegt die Krankenhausseelsorge der Schweigepflicht?

Seelsorgliche Gespräche unterliegen der Verschwiegenheit. Geistliche haben nach § 53 Absatz 1 Nummer 1 der Strafprozessordnung ein Zeugnisverweigerungsrecht über das, was ihnen als Seelsorger anvertraut wurde.

In der evangelischen Kirche regelt das EKD-Seelsorgegeheimnisgesetz von 2009 die Pflicht zur Verschwiegenheit, in der katholischen Kirche schützt das Beichtgeheimnis nach can. 983 des Kirchenrechts absolut. Inhalte aus Gesprächen fließen nicht in die Patientenakte ein.

Diese Garantie gilt bundesweit, ausgefüllt wird sie jedoch von Kirchen, die ihre Seelsorge sehr unterschiedlich verwalten.

Wie ist die Krankenhausseelsorge in Deutschland organisiert?

Die Krankenhausseelsorge organisieren in Deutschland die Landeskirchen und die Bistümer, jeweils für ihr Gebiet. Überregional bündelt die Konferenz für Krankenhausseelsorge in der EKD die evangelische Arbeit, auf katholischer Seite die Katholische Bundeskonferenz für Krankenhausseelsorge.

Fachliche Maßstäbe setzen Leitlinien. Für die evangelische Seite veröffentlichte die EKD 2004 die Leitlinien „Die Kraft zum Menschsein stärken“, die Aufgaben, Qualifikation und Stellung der Seelsorge im Krankenhaus beschreiben.

Auf Trägerseite vertritt der Deutsche Evangelische Krankenhausverband die evangelischen Kliniken, in denen Seelsorge zum Profil des Hauses gehört. In Einrichtungen kommunaler oder privater Träger beruht die Arbeit auf Vereinbarungen zwischen Klinik und Kirche.

Worin unterscheiden sich evangelische und katholische Krankenhausseelsorge?

Beide Konfessionen arbeiten im Gespräch ähnlich, unterscheiden sich aber bei Sakramenten und Beauftragung. Die Krankensalbung spendet ausschließlich ein Priester, die Krankenkommunion auch beauftragte Laien, während evangelische Seelsorgende Abendmahl und Segen anbieten.

In vielen Häusern arbeiten beide Teams als ökumenischer Konvent zusammen und teilen Rufbereitschaft und Stationen untereinander auf. Patientinnen entscheiden selbst, wen sie ansprechen.

Die Zuständigkeit endet bislang an der Klinikpforte, doch genau diese Grenze verschiebt sich mit digitalen Formaten.

Welche digitalen Angebote gibt es in der Krankenhausseelsorge?

Digitale Angebote der Krankenhausseelsorge reichen von Telefonseelsorge über Chat- und Mailseelsorge bis zu Gottesdiensten, die über Hausfunk, Klinikmonitor oder Stream in die Zimmer gelangen. Entstanden sind viele Formate während der Besuchsverbote der Pandemiejahre.

Die Angebote erreichen zwei Gruppen besonders: Angehörige, die weit entfernt wohnen oder nicht ins Haus dürfen, und isolierte Patientinnen auf Infektions- oder Transplantationsstationen. Videotelefonate ersetzen dort den Besuch am Bett, bleiben aber die Ausnahme.

Das persönliche Gespräch im Zimmer bleibt die Grundform der Klinikseelsorge, weil Anwesenheit ein Teil dessen ist, was sie anbietet. Digitale Wege erweitern die Erreichbarkeit, ersetzen jedoch nicht den Stuhl neben dem Bett.

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